Der Erinnerungsort
Mit dem Schauspielhaus verbindet sich eine einzigartige Geschichte: Hier fand ein Ensemble aus Emigrant:innen zur Nazi-Zeit Zuflucht. Im Zweiten Weltkrieg war der Pfauen ein Leuchtturm der Geistigen Landesverteidigung. Nach dem Krieg stand das Schauspielhaus Zürich im Zentrum einer literarischen Blütezeit, mit Uraufführungen von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Das grösste Sprechtheater der Schweiz hatte und hat wohl wie keine andere Kulturinstitution eine Ausstrahlung auf die hiesige Gesellschaft.
Die sozialhistorische Komponente war wohl auch die wichtigste, welche die städtische Denkmalpflege nach äusserst sorgfältigen Abklärungen dazu bewog, dem Haus höchste Erhaltungswürdigkeit beizumessen: der Pfauen sei ein wichtiger Erinnerungsort. Der Stadtrat bestätigte dies, und es gibt nicht viele Zürcher:innen, die widersprechen würden. Umstritten ist dafür, was es braucht, um die Erinnerung zu vermitteln: Die historische Bausubstanz? Oder gibt es noch andere Wege?
Muss aber ein Erinnerungsort in seiner Bausubstanz zwangsläufig erhalten werden, damit er als solcher seine Wirkung entfalten kann? Um diese Frage zu klären liess die Stadt einen pluridisziplinären «Dialog Erinnerungsort» durchführen. Historiker:innen und weitere Expert:innen wurden befragt und zu einem Austausch eingeladen. Eine Publikumsbefragung ging man dieser Frage nach. Auch hier gehen die Meinungen auseinander.
Eine Mehrheit der Expert:innen hat aber folgende Feststellungen geteilt:
Damit der Erinnerungsort wirklich als solcher gepflegt wird, braucht es künftig einen Erinnerungswillen und eine aktive Vermittlung – und zwar unabhängig von Erhalt oder Neubau des Saals.
Am Pfauen muss auch weiterhin Theater auf höchstem Niveau gespielt werden, damit dem Erinnerungsort gerecht wird.
Die äussere Anmutung des Gebäudes und die festlich-klassische Atmosphäre im Innern ist von zentraler Bedeutung.
Das ist eine gute Basis für eine konstruktive Debatte, die das Potential hat, den Erinnerungsort im Bewusstsein der Zürcher:innen fester zu verankern.
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